Der israelische Autor Dr. Baruch Berliner wurde 1942 in Tel Aviv geboren. Für sein Studium der Mathematik, in welchem er promovierte, zog es ihn in die Schweiz an die Universität Zürich.

Nach seinem Studium wurde Berliner für eine Rückversicherungsgesellschaft aktiv. Als Dozent und fachlicher Autor mit Werken wie seinem Besteller „Grenzen der Versicherbarkeit“ nahm seine Bekanntheit weiter zu. Erst im Jahr 1990 ging Berliner nach Israel zurück, wo er an der Universität in Tel Aviv forschte.

Neben dem fachlichen Schreiben wuchs seine Leidenschaft für das belletristische Schreiben mit der Zeit. So begann die Arbeit an seinem ersten Gedichtband.

Jüdischer Humor in der Literatur der Gegenwart.

Sein Gedichtband „Umgestülpter Humor“ zaubert selbst schlecht gelaunten Lesern mindestens ein herzhaftes Lächeln ins Gesicht. In seinen Gedichten skizziert der Autor Situationen der Gegenwart, in denen wir uns als Leser häufig Wiedererkennen dürfen. Angefangen beim schrecklichen Hotelzimmer über die steuerreduzierende Ehefrau bis hin zur Grillparty, sind es alltägliche Situation, die uns mitnehmen.

Kredit für den Photo: Nachum Slutzker

Abschnitte des Buches

Umgestülpter Humor ist in 6 Abschnitte unterteilt. Der erste Teil ist gleichnamig wie das Buch „ Umgestülpter Humor“ genannt. Im Abschnitt „Dunkle Reime“ sammelt Berliner Gedichte mit dem Themenschwerpunkt tot und und Vergänglichkeit. Selbst diese schweren Themen werden leicht und locker angegangen und fügen sich in das humoristische Gesamtbild des Gedichtbands.

Drauf folgt der Abschnitt „Humor und Gesellschaft“, in dem es wieder heller zu geht. Situationen aus der Gesellschaft werden humoristisch und dichterisch betrachtet. Aus der Gesellschaft zurück ins „Ich“ geht es im Abschnitt „Humor und ich“. Dort finden sich Gedichte wie der „Der Fehrsehfan“ oder der „Radiergummi“. Nach dem Abschnitt „Die Tücken des Objekts“ endet der Gedichtband mit „Humor und Tier“. Auch wenn die Abschnitte unterschiedliche Inhalte haben, wirkt die Schreibweise des Autors verbindend und bildet einen roten Faden durch das Werk.

Humor und Leichtigkeit im Schreibstil

Der kreative, leichte und freche Stil von Baruch Berliner nimmt kein Blatt vor den Mund. Seine selbst bei schwierigen Themen jüdisch-humorvolle Art bringt Leichtigkeit, Witz und gute Laune ins Leben hinein. Etwas, das wir alle auch im Alltag stärker leben dürfen.

Humor im Judentum

Berliners Gedichte zeigen, das der jüdische Humor auch noch heute existiert und sich in der Gegenwart immer wieder neu erfindet. Das macht ihn amüsierend und relevant, manchmal braucht es einen Gedanken mehr, darin liegt auch ein Reiz von diesem Buch.

Literarische Kostprobe aus dem Buch

Im Hotel

Ich quartierte mich ein in einem Hotel auf dem Land,

nicht sehr nah, aber auch nicht zu fern vom Strand.

Das Hotel sah nett aus, es lag im Schatten,

ich war froh, dass sie noch ein Zimmer hatten.

Ich bezog das Zimmer mit frohem Gesang,

aus der Toilette wehte mir entgegen Gestank.

Ich sah ein Rinnsal im Aborte fließen,

die Toilettentür ließ sich nicht schließen.

Das Rinnsal umspülte sachte Felsen von Fäkalien,

meines Vorgängers mir vermachte Naturalien.

Beim Händewaschen reagierte der Wasserhahn mit

teuflischem Knurren, es kamen ein paar Tröpfchen, dann eine

Wasserexplosion und ein trockenes Surren.

Während ich meine Kleider abwischte,

explodierte der Wasserhahn erneut und zischte.

Unter der Dusche ließ sich das Wasser nicht richtig

einstellen

und verbrannte mich in heißen und sehr kalten

Wellen.

Es war nun Zeit, aus dem Badezimmer zu gehen

und sich das liebliche Zimmer anzusehen.

Da die Luft abgestanden war, begab ich mich zum

Fenster in der südlichen Wand,

der Fenstergriff blieb mir in der Hand.

Die heruntergelassene Jalousie streikte und ließ keinen

Schimmer

von Tageslicht in das beklemmende Zimmer.

Hart wie eine Pritsche war das Bett und zu

meinem „Entzücken“

schmal und krumm wie ein Katzenrücken.

Vom Schrank waren die Knäufe abgerissen,

beim Öffnen habe ich mir einen Finger zerschlissen.

Die Klimaanlage war auf „kalt“ eingestellt, ich fror,

sie war nicht abzustellen, ich merkte, dass ich die

Geduld verlor.

Drum floh ich aus dem „gemütlichen Zimmer“

und „netten Hotel“ in die Hitze,

um Luft zu schnappen, das Meer zu sehen, ich friere,

ich schwitze.

Ich huste schon, erkälte mich immer stärker

und verfluche diesen teuren Kerker.

Sein im Frieling-Verlag in Berlin erschienenes Buch „Umgestülpter Humor“ können interessierte Leser im deutschen Buchhandel unter der ISBN 978-3-8280-3537-9 für ca. 11€ erwerben.

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